Reisebericht Norwegen 2011 (Teil I)
Seit Langem hatte ich schon immer den Gedanken im Hinterkopf, mit dem Bus nach Norwegen zu fahren. Dieses Jahr haben wir es endlich geschafft und waren für 2 ½ Wochen oben.
Und es hat sich gelohnt!
Ein super Urlaub, den wir in vollen Zügen genossen haben. Sicherlich sind die skandinavischen Länder nicht für jedermann das perfekte Reiseziel. Wer aber auf der Suche nach Natur, Erholung und Entschleunigung ist, der wird Norwegen lieben.
Gerne wollte ich hier einige Erfahrungen und Tipps weiter geben, wenn sich mal wieder jemand zu auf den Nordmannen machen müchte …
Allgemeines:
Generell ist Norwegen ein sehr passendes Land um es mit einem „Camper“ zu entdecken.
Es ist weiterläufig und sehr vielseitig. Man kann also weit rum kommen und hat immer etwas Neues zu entdecken. Für Aktivurlauber und Naturliebhaber perfekt.
Man darf in Norwegen allerdings keinen Sommer-Bade-Urlaub erwarten.
Wir waren im Juni. Hier kann es gut sein, dass tagsüber die Sonne knallt und kurze Hose, T-Shirt angesagt ist. Aber sobald die Sonne weg ist, braucht man eine lange Hose und einen Fleece.
Zwei, drei Mal haben wir nachts auch die Standheizung angeworfen. Es wäre sicher auch ohne gegangen, war aber angenehmer so 
Unsere Tour ging vom 08.06 bis zum 24.06.
Von der Zeit her hat die Saison wohl gegen Ende Juni dann gerade begonnen, davon haben wir aber nicht viel gemerkt. Über Pfingsten sind die Deutschen etwas mehr geworden …
Generell waren es viele Deutsche, Holländer und auch Norweger, die wir mit Wohnmobilen und Campern getroffen haben, aber es war nie überlaufen oder zu voll. Wir hatten auf fast allen Stellplätzen immer freie Platzwahl.
Was mir aufgefallen ist, es waren extrem wenige T3 unterwegs.
Auf der Rückreise habe ich zwischen Flensburg und Hamburg deutlich mehr Busse auf der Autobahn gesehen, als während der Zeit in Norwegen.
Also schnappt euch die Busse und los!
Das Land / die Leute:
T
!
Ein sehr schünes Land, und sehr freundliche Einwohner.
Wirklich unheimlich schüne Natur und davon sehr viel! Wenn man es drauf anlegt, kann man längere Zeit durchkommen und kaum andere Leute treffen. Prinzipiell hab ich das Gefühl gehabt, dass das Land selber eine unglaubliche Ruhe und Gelassenheit ausstrahlt, die sich auch ganz schnell auf seine Einwohner - und Gäste – überträgt.
Ich kann mich nicht erinnern, hier nur eine schlechte Erfahrung gemacht zu haben. Doch, eine. Und das war, also eine Gruppe von Deutschen (wie es sich gehürt in Sandalen mit Socken, Sonnenbrand, Foto umhängend und unglaublich polterig laut) in eine kleine Konditorei kam und gleich mal auf die junge Verkäuferin losgeballert hat: „so-wie-sieht-denn-das-hier-aus? Wir-wollen-was-Essen-und-einen-Kaffe-dazu. Wir-wollen-oben-sitzen. Müssen-wir-da-dann-hier-bestellen-oder-kommt-jemand-rauf. Wie-issn-des-bei-euch?“ Das gute Mädel hat sehr klar gezeigt, dass sich nichts von dem Worterguss verstanden hat, der da in feinstem Dialekt auf sich einprasselte. Ihr Gegenüber hat aber auch nicht aufgehürt zu plappern. Mit Mühe und Not haben die 5 dann irgendwann kapiert, dass „we close at four o´clock“ um 15:55 Uhr bedeutet, dass sie leider keine süßen Stückchen und keinen Kaffee mehr bekommen werden.
Naja, was ich sagen will, die Norweger sind echt bemüht, und mit Englisch kommt man wirklich überall durch. Nur ein gewisser Grad von Hüflichkeit ist nun mal einfach die Basis, wenn man zu Gast in einem fremden Land ist.
Das Norwegische Essen ist etwas teurer als bei uns und wohl auch nicht immer so der Hit.
Wir waren insgesamt nur 2x richtig Essen, ansonsten haben wir immer gut selber gekocht.
Im Supermarkt merkt man es schon auch, dass die Preise hüher sind, wenn man dann an der Kasse steht.
Apropos bezahlen. Meiner Meinung nach ist es am besten, einen grüßeren Betrag in NOK (norwegischen Kronen) im Land selber abzuheben, und dann alles bar zu zahlen. Wenn man mit der EC-Karte zahlt (geht fast überall, nur an einer Tankstelle und an einer Fähre musste die Kreditkarte herhalten, weil EC nicht ging) kostet das bei jeder Buchung ~70 Cent. Das läppert sich ganz schün …
Alkohol ist sehr teuer. An Mittsommer hat in Kristiansand auf einem Straßenfest ein 0,4l Leichtbier umgerechnet ca. 10,- Euro gekostet. Bier und Alkopops kann man im Supermarkt kaufen, alles Andere bekommt man nur in den staatlichen „Vinmonopol“. Gibt es nicht in jeder Stadt!
Die Zoll-Einfuhrbestimmungen findet man auf http://www.norwegen.no.
Wir wurden nicht kontrolliert bei der Einreise. Aber ein Züllner stand da, und hat auch so manches andere Auto von unserer Fähre raus gewunken.
Ähnliches gilt wohl für Hunde. Hier gibt es auch strenge Einreisebestimmungen – hat uns aber nicht betroffen.
Auch eine Umstellung ist die lange Helligkeit im Land.
Wir waren jetzt über Mittsommer, also den Längsten Tag im Jahr oben. Und es ist wirklich so, dass man nach um halb 1 noch problemlos spazieren gehen kann, ohne, dass eine einzige Straßenlaterne leuchtet. Leicht dämmrig wird es schon, aber ansonsten perfekt um ewig draußen zu sitzen und zu lesen, zu spielen oder einfach nur die Natur zu genießen.
Wir haben sie nicht gebraucht und den Bus immer gut abgedunkelt, aber sicherheitshalber hatten wir so Schlafbrillen dabei.
Literatur:
Wir hatten mehrere Reiseführer Dabei.
Das Tour-Set vom ADAC ist sicherlich auch hilfreich. Hier ist auch eine Übersicht der Mautstellen dabei.
Ansonsten hatten wir dabei:
„Norwegen Süd/Mitte: Der Reiseführer mit dem hohen Gebrauchswert“
Sehr zu empfehlen! Vielleicht nicht der klassische Reiseführer in dem Sinne, dafür sehr schün aufgemacht und tollen Tipps und Anregungen. Also hier haben wir wirkliche sehr viel drin gelesen.
„Mit dem Wohnmobil nach Süd-Norwegen“
Der Klassiker. Man mag ihn oder man hasst ihn 
Auch hier einige schüne Tipps, die im „normalen“ Reiseführer nicht drin stehen, und immer wieder doch gute Anlaufstellen für Campingplätze oder Übernachtungsmüglichkeiten. Man muss die Touren ja nicht so fahren, wie sie hier beschrieben sind.
Dazu zwei gute, detaillierte Straßenkarten und noch eine Campingplatzübersicht von ganz Norwegen, die ich von eBay hatte.
Auch ja, auf der Internetseite http://www.visitnorway.com/ kann man für ein kleines Entgelt auch im Vorfeld interessante Reiseunterlagen bestellen bzw. sich kostenlos runterladen.
Straßen und Verkehr:
Gleich vorab muss ich auch sagen, von den Straßenverhältnissen / dem Straßenbau her war es teilweise schon „spannend“ in Norwegen unterwegs zu sein.
Viele Schlaglücher. Auch auf den Europastraßen manchmal große Krater. Wenn kein Gegenverkehr kommt und die Straße breit genug ist, kein Thema. Aber manchmal ist die Straße einfach auch nur einspurig, da kommt man dann nicht drum herum (im wahrsten Sinne).
Die Norweger sind aber auch fleißig am Bauen und in Stand setzen ihrer Straßen.
Hier war ich über mein Navi mit aktiven Staumeldungen sehr glücklich. Es kann schon mal vorkommen, dass eine Hauptverkehrsstraße für 2 Monate komplett gesperrt wird.
Auch ist hier auf jeden Fall eine detaillierte Straßenkarte (am besten sogar mit Hühenlinien) hilfreich. Zum Einen um sich eine Ausweichstrecke zu suchen, aber auch um die geplante Route nochmal anzugucken. In Norwegen geht es gerne mal „spontan“ ein paar Hühenmeter rauf. Ich muss ehrlich sagen, ich war ganz froh, dass ich letztes Jahr endlich den ölkühler verbaut habe.
Ansonsten gibt es viele Tunnel oder auch Fährverbindungen. Die Tunnels sind oftmals nicht hell gestrichen und auch nur sporadisch beleuchtet. Also eine Umstellung zu unseren weißen, hellen Bergdurchquerungen.
Gerade an der Westküste haben wir ab und an mal die Fähre genommen. Man kommt recht entspannt voran und sieht das Land wieder von einer ganz anderen Seite. Allerdings sind hier die Kosten auch etwas hüher, als über den Landweg.
An Straßen oder Tunnels wird oft auch mal Maut verlangt.
Meist bei Tunnels nur so lange, bis sich die Baukosten gerechnet haben. Daher kann die Übersichtskarte vom ADAC auch an manchen Stellen schon überholt sein, und es kostet doch gar keine Maut mehr, obwohl es so auf der Karte ausgewiesen war.
Zur Abrechnung gibt es hier verschiedene Systeme.
Entweder man fährt an ein Mauthäuschen wie z.B. in Frankreich und zahl in Bar. Oder man wird Fotografiert und hat dann innerhalb von 3 Tagen die Müglichkeit an einer dem System zugehürigen Tankstelle gegen Nennung des Kennzeichens die angefallene Maut zu bezahlen.
Die Luxusvariante ist, im Vorfeld einen Vertrag mit der Mautgesellschaft abzuschließen und so ein Funk-Kärtchen im Auto zu haben, dass dann automatisch verbucht.
Wir haben die dritte Müglichkeit gewählt, nachdem uns mehrere Norweger und Deutsche mit Norwegenerfahrung gesagt haben,“ fahrt einfach zu, ihr bekommt dann die Rechnung nach Hause geschickt, ohne Mehrkosten“. Naja, ich bin gespannt, wie viele nachher wirklich berechnet werden, und wie viel Strafgebühr dann doch vielleicht noch mit eingerechnet ist …
Und noch was für die Dieseltanker:
Es gibt an vielen Tankstellen 2 verschiedene Sorten Diesel: Normalen und Steuerbegünstigten.
Den Steuerbegünstigten darf man als Tourist nicht tanken – auch wenn das Preisschild einen quasi dazu auffordert ….
Ich weiß aber auch nicht, was passiert, wenn man dann an die Kasse geht und eben dann 56 Liter subventionierten Diesel im Tank sitzen hat?
Campingplätze:
Campingplätze gibt es in Norwegen wie Sand am Meer.
Alle Nase lang taucht einer am Straßenrand auf. Also Sorgen muss man sich hier keine machen, dass man wo nicht unter kommt.
Prinzipiell gilt ja in Norwegen das „Jedermannsrecht“. Sprich, man darf überall (min. 150m von der nächsten Behausung entfernt und nicht auf Privatgrundstücken) eine Nacht verbringen.
Wir waren aber trotzdem fast immer auf Campingplätzen. Ich habe jetzt auch schon gehürt, dass es nicht wirklich erwünscht ist, mit dem WoMo / Bus einfach in der Wildnis zu stehen, weil hier viele eben doch ihren Müll einfach liegen lassen etc. Daher ist es nicht so gerne gesehen. Aber so wie es mir aus den Reiseführern bekannt ist, ist es weiterhin erlaubt. Aber eine warme Dusche und Strom für die Kühlbox haben ja auch was für sich …
Von der Sauberkeit und Ausstattung sind die Campingplätze, wie überall, sehr unterschiedlich. Merkt man nachher auch am Preis. Klar. Aber wirklich schlechte Erfahrungen haben wir keine gemacht. Und wir haben uns die Plätze vorher nie großartig angeschaut.
Was man wissen sollte: auf allen Plätzen, auf denen wir waren, haben die Duschen extra gekostet.
Man muss Marken kaufen oder sich eine Karte aufladen lassen. Und hat dann – auch je nach Platz – ein entsprechendes Dusch-Kontingent.
Auch neu für mich war, dass fast jeder Platz mit einem Küchen-Raum ausgestattet war. Hier stehen kostenfrei, je nach dem, Kochfelder, ein Backofen oder auch mal eine Mikrowelle, sowie eine Sitzgelegenheit zur Verfügung. Wer also nicht im Bus kochen müchte kann oftmals ausweichen.
Und, auf sehr vielen Plätzen gab es kostenfrei WIFI, also W-Lan.
Ich hab den Laptop und meine Mails in der Zeit nicht vermisst – jeder wie er mag.
Nicht auf allen Campingplätzen sind Hunde erlaubt!
Die Anreise:
Zur Anreise gibt es verschiedene Müglichkeiten.
Wir haben uns entschieden, mit der Fähre von Kiel nach Oslo zu fahren.
Die Überfahrt dauert ca. 20 Stunden (Abfahrt um 14:00 Uhr, Ankunft um 10:00 Uhr).
Man muss also eine Kabine buchen. Camping on Board war nicht müglich. Es gibt sicher kostengünstigere Varianten.
Wir haben uns aber gesagt, so kommen wir ausgeruht oben in Norwegen an und da wir gegen den Uhrzeigersinn (die meisten Reiseführer beschreiben ihre Routen im Uhrzeigersinn, und so kamen uns auch die meisten Wohnmobile entgegen) durch das Land reisen müchten, ist Oslo ein guter Startpunkt.
Das Einschiffen ins Kiel ist problemlos, fix und sehr gut organisiert.
Auf der Fähre muss man sich dann bei den 12 Stockwerken erst mal zu Recht finden.
Für ein Abendessen in einem der Restaurants sollte man am besten vorab einen Tisch reservieren.
Und ggf. Oropax für die Nacht einpacken, man hürt das Drühnen der Motoren schon recht ordentlich (zumindest in unserer Kabine).
Prinzipiell sind die Autos während der Überfahrt nicht zugänglich (wie auf anderen Fähren auch) also hier vorher alles einpacken.
Die Fähre von Dänemark (Hirtshals nach Krisitansand rüber) wäre eine Andere Müglichkeit. Diese Route war dann, in umgekehrter Richtung, unsere Rückfahrt. Da wir eine Expressfähre gebucht haben, war die in gut 3 Stunden übergesetzt. Die Großen brauchen ca. eine Stunde länger.
Allerdings ist eben doch noch ein ganzes Stück durch Dänemark durch zu fahren. Aber nur Autobahn, gerade aus, topfeben.
Gebucht haben wir die Fährfahrten ca. im März über das Internet. Hier lohnt es sich auf jeden Fall die Verschiedenen Anbieter und auch Fahrttage gut gegeneinander zu vergleichen.
Die Variante durch Schweden zu fahren war für uns keine Alternative.
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